Wie funktioniert ein ETF?
Index, Replikation und Fondsanteile einfach erklärt
Ein ETF funktioniert, indem er einen Index nachbildet. Du kaufst Anteile an einem Fonds, der viele Aktien, Anleihen oder andere Wertpapiere bündelt. Verändert sich der Wert dieser enthaltenen Anlagen, verändert sich auch der Wert deines ETF Anteils.
Der Index gibt die Regeln vor: Er legt fest, welche Werte enthalten sind und wie sie gewichtet werden. Der ETF setzt diese Regeln praktisch um. So kannst du mit einem einzigen Wertpapier in viele Werte investieren, ohne einzelne Aktien selbst auswählen zu müssen.
ETF Funktionsweise in 5 Schritten
Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds. Meist bildet er einen Index ab, zum Beispiel den MSCI World, den FTSE All-World oder den DAX.
Was du mit einem ETF Anteil besitzt
ETF steht für Exchange Traded Fund. Auf Deutsch bedeutet das: börsengehandelter Fonds.
Wenn du einen ETF kaufst, kaufst du keine einzelnen Aktien direkt. Du kaufst Anteile an einem Fonds. Dieser Fonds hält oder repliziert die Wertpapiere seines Index.
Kaufst du zum Beispiel einen ETF auf einen globalen Aktienindex, besitzt du nicht jede einzelne Aktie aus diesem Index direkt in deinem Depot. Du besitzt ETF Anteile, die für deinen Anteil am Fondsvermögen stehen.
Dieses Fondsvermögen ist bei klassischen Fonds als Sondervermögen vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt. Die Wertpapiere im Fonds gehören also nicht einfach zum normalen Firmenvermögen des ETF Anbieters.
Der Wert deines ETF Anteils hängt davon ab, wie sich dieses Fondsvermögen entwickelt.
Was in einem ETF enthalten sein kann
Ein ETF kann unterschiedliche Märkte abbilden. Häufig enthält er Aktien, Anleihen oder Geldmarktinstrumente. Manche ETFs konzentrieren sich zusätzlich auf bestimmte Länder, Regionen, Branchen oder Themen.
Für viele Einsteiger sind breit gestreute Aktien ETFs am wichtigsten. Sie enthalten viele Unternehmen aus verschiedenen Ländern und Branchen. Trotzdem bleibt ein ETF ein Wertpapier. Fallen die enthaltenen Werte, fällt auch der ETF.
Was passiert, wenn du einen ETF kaufst?
Den Kauf führst du nicht direkt beim Anbieter aus, sondern über dein Depot. Du wählst den ETF aus, legst Betrag oder Stückzahl fest und dein Broker leitet den Kauf an einen Handelsplatz weiter.
Sobald die Order ausgeführt ist, liegen die ETF Anteile in deinem Depot. Du bist dann nicht Eigentümer einzelner Aktien, sondern am Fondsvermögen des ETFs beteiligt. Welcher Anbieter für den Kauf infrage kommt, hängt unter anderem von Kosten, Sparplänen und Handelsplätzen ab. Einen Überblick findest du im Brokervergleich.
Der Broker führt den Kauf aus
- Du suchst den ETF über Name, ISIN oder WKN.
- Du gibst an, wie viel du investieren möchtest.
- Dein Broker leitet die Order an einen Handelsplatz weiter.
- Die ETF Anteile werden gekauft.
- Die Anteile werden deinem Depot gutgeschrieben.
ETFs werden börsentäglich gehandelt. Deshalb kannst du sie während der Handelszeiten kaufen oder verkaufen. Der Preis kann durch Spread, Liquidität und Handelszeitpunkt leicht zwischen den Börsenplätzen abweichen.
Warum auch kleine Beträge möglich sind
Bei einem normalen Kauf erwirbst du meist ganze ETF Anteile. Bei Sparplänen können viele Broker auch Bruchstücke kaufen.
Kostet ein ETF Anteil zum Beispiel 100 Euro und du investierst 25 Euro, kann dein Broker 0,25 Anteile kaufen. Dieses Bruchstück entwickelt sich anteilig genauso wie der ETF selbst.
Welche Rolle spielt der Index?
Der Index ist die Vorlage des ETFs. Er legt fest, welche Wertpapiere enthalten sind, wie sie gewichtet werden und wann Anpassungen erfolgen.
Ein ETF auf den MSCI World versucht also nicht, den MSCI World zu schlagen. Er versucht, ihn möglichst genau abzubilden.
Der Index gibt die Regeln vor
Ein Index funktioniert nach festen Kriterien. Diese Kriterien bestimmen zum Beispiel:
- welche Länder berücksichtigt werden
- welche Unternehmen aufgenommen werden
- wie groß oder liquide ein Unternehmen sein muss
- wie stark einzelne Werte gewichtet werden
- wann der Index überprüft und angepasst wird
Viele bekannte Aktienindizes gewichten Unternehmen nach Börsenwert. Große Unternehmen haben dann ein höheres Gewicht als kleinere Unternehmen.
Dadurch kann ein ETF zwar viele Werte enthalten, aber trotzdem stark von großen Unternehmen geprägt sein. Das ist kein Fehler des ETFs, sondern eine Folge der Indexregeln.
Der ETF setzt die Indexlogik um
Der ETF übernimmt die Zusammensetzung seines Index so genau wie möglich. Ändert sich der Index, wird auch der ETF angepasst.
Wird ein Unternehmen neu in den Index aufgenommen, muss der ETF diese Änderung nachvollziehen. Fällt ein Unternehmen aus dem Index heraus, wird es im ETF entsprechend reduziert oder entfernt.
Genau darin liegt der passive Charakter eines ETFs: Nicht ein Fondsmanager entscheidet nach persönlicher Einschätzung, welche Aktie attraktiv ist. Der ETF folgt der Methodik seines Index.
Beispiel: MSCI World und FTSE All-World
Ein ETF auf den MSCI World bildet Aktien aus vielen Industrieländern ab. Ein ETF auf den FTSE All-World enthält zusätzlich Aktien aus Schwellenländern.
Für die Funktionsweise ist das Prinzip gleich: Der Index definiert die Zusammensetzung, der ETF bildet sie nach und du hältst Anteile an diesem Fonds.
Die wichtigste Entscheidung ist deshalb nicht nur die Wahl des ETF Anbieters. Entscheidend ist vor allem, welchen Index du abbilden möchtest.
Wie bildet ein ETF den Index nach?
Ein ETF bildet seinen Index über Replikation nach. Dabei geht es darum, die Wertentwicklung des Index möglichst genau in einem Fonds umzusetzen.
| Methode | So funktioniert sie | Wichtig zu wissen |
|---|---|---|
| Physische Replikation | Der ETF kauft die Wertpapiere aus dem Index direkt. | Leicht verständlich und bei vielen großen Aktienindizes verbreitet. |
| Optimiertes Sampling | Der ETF hält nur eine repräsentative Auswahl der Indexwerte. | Sinnvoll bei sehr großen oder schwer handelbaren Indizes. Die Abweichung zum Index kann etwas höher sein. |
| Synthetische Replikation | Der ETF bildet die Indexentwicklung über ein Tauschgeschäft mit einer Bank ab. | Kann effizient sein, bringt aber ein zusätzliches Kontrahentenrisiko mit sich. |
Physische Replikation
Bei der physischen Replikation hält der ETF die Wertpapiere aus dem Index direkt. Bildet ein ETF zum Beispiel einen Index mit 500 Aktien ab, kann der Fonds diese Aktien tatsächlich kaufen.
Diese Methode ist leicht verständlich und bei großen, gut handelbaren Aktienindizes weit verbreitet.
Optimiertes Sampling
Bei sehr großen Indizes kauft ein ETF nicht immer alle enthaltenen Wertpapiere. Stattdessen hält er eine repräsentative Auswahl, die sich möglichst ähnlich verhalten soll wie der gesamte Index.
Sampling kann Kosten und Handelsaufwand senken. Dafür kann die Abweichung zum Index etwas größer sein als bei vollständiger physischer Replikation.
Synthetische Replikation
Bei der synthetischen Replikation bildet der ETF die Indexentwicklung über ein Tauschgeschäft mit einer Bank ab. Dieses Tauschgeschäft nennt man Swap.
Diese Methode kann bei schwer zugänglichen Märkten effizient sein. Gleichzeitig entsteht ein zusätzliches Kontrahentenrisiko, weil der ETF vom Swap-Partner abhängig ist. Dieses Risiko wird durch Besicherung begrenzt, verschwindet aber nicht vollständig.
Welche Replikationsmethode ist besser?
Es gibt nicht pauschal die beste Methode. Physisch replizierende ETFs sind für viele Anleger am leichtesten nachvollziehbar. Synthetische ETFs können in bestimmten Märkten Vorteile bei Kosten oder Indexabbildung haben, sind aber weniger intuitiv.
Wichtiger als die Methode allein sind diese Fragen:
– Welchen Index bildet der ETF ab?
– Wie hoch sind die laufenden Kosten?
– Wie groß ist die Tracking-Difference?
– Wie groß und liquide ist der Fonds?
– Welche zusätzlichen Risiken entstehen durch die Replikationsmethode?
Warum verändert sich der Wert eines ETF Anteils?
Ein ETF Anteil steht für einen Anteil am gesamten Fondsvermögen. Deshalb hängt sein Wert davon ab, wie sich die im Fonds enthaltenen oder abgebildeten Anlagen entwickeln.
Enthält ein ETF Aktien, spielen vor allem die Aktienkurse dieser Unternehmen eine Rolle. Enthält ein ETF Anleihen, sind unter anderem Zinsen, Bonität und Laufzeiten wichtig.
Der Börsenpreis kann leicht abweichen
ETFs werden an der Börse gehandelt. Deshalb gibt es einen Kaufpreis und einen Verkaufspreis. Der Kaufpreis liegt meist etwas höher als der Verkaufspreis. Diese Differenz nennt man Spread.
Der Börsenpreis liegt normalerweise nah am inneren Wert. Kleine Abweichungen sind aber möglich, besonders bei:
- geringer Liquidität
- unruhigen Marktphasen
- Märkten, die gerade geschlossen sind
- ETFs auf weniger liquide Wertpapiere
- Handel außerhalb der Hauptmarktzeiten
Beispiel: Ein ETF bildet US-Aktien ab, wird aber vormittags in Deutschland gehandelt. Die US-Börsen sind zu diesem Zeitpunkt noch geschlossen. Der Preis orientiert sich dann an Erwartungen, Futures und Marktindikationen.
Market Maker halten den Preis nahe am Fondswert
Market Maker sind professionelle Marktteilnehmer, die laufend Kauf- und Verkaufspreise stellen.
Zusätzlich können bei ETFs neue Anteile geschaffen und bestehende Anteile zurückgegeben werden. Dadurch kann das Angebot an ETF Anteilen an die Nachfrage angepasst werden.
Dieser Mechanismus hilft, den Börsenpreis nahe am inneren Wert zu halten. Der ETF wird zwar an der Börse gehandelt, bleibt aber eng mit dem Wert der enthaltenen Anlagen verbunden.
Wie erzielst du mit ETFs Erträge?
Mit einem ETF erzielst du Erträge nicht durch einen festen Zins, sondern durch die Entwicklung der enthaltenen Anlagen.
Bei Aktien ETFs entstehen Erträge vor allem durch:
- Kursgewinne der enthaltenen Aktien
- Dividenden der enthaltenen Unternehmen
Bei Anleihen ETFs entstehen Erträge vor allem durch:
- Zinszahlungen der Anleihen
- Kursveränderungen der Anleihen

Kursgewinne
Wenn die im ETF enthaltenen Wertpapiere im Wert steigen, steigt in der Regel auch der Wert deines ETF Anteils.
Verkaufst du deine Anteile später zu einem höheren Preis, erzielst du einen Kursgewinn. Fallen die enthaltenen Märkte, kann der ETF aber auch deutlich an Wert verlieren.
Dividenden und Zinsen
Viele Unternehmen zahlen Dividenden an ihre Aktionäre. Hält ein Aktien ETF solche Aktien, fließen diese Dividenden zunächst dem Fonds zu.
Bei Anleihen ETFs erhält der Fonds Zinszahlungen aus den enthaltenen Anleihen.
Was danach mit diesen Erträgen passiert, hängt von der Ertragsverwendung des ETFs ab.
Ausschüttend oder thesaurierend
Ein ausschüttender ETF zahlt Erträge regelmäßig an dich aus. Ein thesaurierender ETF legt die Erträge im Fonds wieder an.
Beide Varianten können sinnvoll sein:
- Ausschüttende ETFs passen, wenn du regelmäßige Auszahlungen möchtest.
- Thesaurierende ETFs passen, wenn Erträge automatisch im Fonds bleiben sollen.
Auch bei einem thesaurierenden ETF sind die Erträge nicht verschwunden. Sie werden nur nicht direkt ausgezahlt, sondern im Fonds weiterverwendet.
Den Unterschied erkläre ich ausführlicher im Beitrag zu thesaurierenden und ausschüttenden ETFs.
Welche Kosten entstehen bei ETFs?
ETFs gelten als kostengünstig, aber kostenlos sind sie nicht. Kosten entstehen im Fonds selbst, beim Kauf oder Verkauf und durch mögliche Abweichungen zwischen ETF und Index.
Entscheidend ist nicht nur die angegebene Gesamtkostenquote. Am Ende zählt vor allem, wie gut der ETF seinen Index nach Kosten abbildet.
TER: laufende Kosten im Fonds
Die TER zeigt, welche laufenden Kosten jährlich im ETF anfallen. Dazu gehören zum Beispiel Verwaltungs- und Betriebskosten.
Diese Kosten werden nicht separat von deinem Konto abgebucht. Sie werden laufend im Fonds berücksichtigt und mindern dadurch die Wertentwicklung.
Eine niedrige TER ist gut, aber nicht allein entscheidend. Ein ETF mit etwas höherer TER kann in der Praxis trotzdem nah am Index liegen, wenn er effizient arbeitet.
Spread: Kosten beim Kauf und Verkauf
Beim ETF Handel gibt es meist zwei Preise: den Kaufpreis und den Verkaufspreis. Die Differenz zwischen beiden Preisen nennt man Spread.
Je enger der Spread, desto günstiger ist der Handel. Besonders wichtig ist das bei größeren Beträgen, häufigem Handel oder weniger liquiden ETFs.
Orderkosten und Sparplankosten
Zusätzlich können Brokerkosten entstehen, zum Beispiel:
- Ordergebühren beim Einzelkauf
- Ausführungsgebühren bei Sparplänen
- Handelsplatzgebühren
- Fremdkosten
Viele Broker bieten ETF Sparpläne günstig oder kostenlos an. Prüfe trotzdem, ob die Konditionen dauerhaft gelten oder nur Teil einer Aktion sind.
Tracking Difference: die wichtigste Praxisgröße
Die Tracking Difference zeigt, wie stark die tatsächliche ETF Rendite von der Indexrendite abweicht.
Sie ist oft aussagekräftiger als die TER allein, weil sie mehrere Effekte zusammenfasst:
- laufende Fondskosten
- Steuereffekte im Fonds
- Wertpapierleihe
- Replikationsmethode
- Handelskosten im Fonds
- Abweichungen durch Sampling
Beispiel: Ein Index steigt in einem Jahr um 8,0 %. Der ETF steigt nach Kosten um 7,8 %. Dann beträgt die Abweichung 0,2 Prozentpunkte.
Wie stark TER, Spread und Tracking-Difference deine Rendite beeinflussen, erkläre ich ausführlicher im Beitrag zu ETF Kosten.
Welche Risiken bleiben bei ETFs?
Die wichtigsten Risiken und Nachteile von ETFs findest du ausführlicher im Beitrag zu ETF Risiken.
Warum nicht jeder ETF gleich funktioniert
Zwei ETFs können ähnlich heißen, aber im Detail unterschiedlich funktionieren. Sie können verschiedene Indizes abbilden, anders replizieren, unterschiedlich hohe Kosten haben oder Erträge verschieden verwenden.
Deshalb reicht es nicht, nur auf den ETF Namen oder die bisherige Wertentwicklung zu schauen. Entscheidend ist, welchen Markt der ETF abbildet und wie zuverlässig er seinem Index folgt. Wenn du nach der Funktionsweise auch ETF Auswahl, Sparplan, Kosten und Risiken einordnen willst, findest du im ETF Einstieg die passenden nächsten Schritte.
Fazit: Wie funktioniert ein ETF?
Ein ETF funktioniert, indem er einen Index möglichst genau nachbildet. Du kaufst Fondsanteile, der Index gibt die Regeln vor und der ETF setzt diese Regeln über Replikation praktisch um.
Der Wert deiner ETF Anteile hängt von den enthaltenen Anlagen ab. Erträge entstehen durch Kursgewinne, Dividenden oder Zinsen. Kosten entstehen durch TER, Spread, Brokergebühren und mögliche Abweichungen zum Index.
Der Vorteil liegt in der einfachen Struktur: Mit einem einzigen Wertpapier kannst du viele Märkte abdecken. Gleichzeitig bleibt ein ETF eine Kapitalmarktanlage. Wenn der Markt fällt, kann auch dein ETF deutlich fallen.
