Thesaurierend oder Ausschüttend?
Was musst du wissen?
von Fabian K. · Aktualisiert am 02.12.2025
Inhalt
Ausschüttend oder thesaurierend: was ist besser?
Hinter der Wahl zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETFs verbirgt sich die zentrale Frage deiner Anlagestrategie: Möchtest du passives Einkommen generieren oder dein Kapital maximal wachsen lassen?
Die Entscheidung ist nicht nur eine Frage des persönlichen Geschmacks, sondern hat direkten Einfluss auf den Zinseszinseffekt und die Steuerabwicklung deines Depots.
In diesem Artikel erfährst du, welcher Weg für dich der sinnvollste ist, ob die steuerlichen Nachteile des einen oder anderen Modells heute noch relevant sind und wie du die Wahl triffst, die dich am schnellsten zu deinem Ziel führt.

Grundlagen: Thesaurierend und ausschüttend bei ETFs
Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der einen Index abbildet (ETF steht für „Exchange Traded Fund“, also einen an der Börse gehandelten Fonds, mehr dazu unter 🔗Was ist ein ETF?). Im Folgenden lernst du den Unterschied zwischen „ETF ausschüttend oder thesaurierend“ kennen. Entscheidend ist hier, wie Erträge behandelt werden.
Bei einem ausschüttenden ETF werden Dividenden und Zinsen auf dein Konto ausgezahlt.
Ein thesaurierender ETF reinvestiert Erträge automatisch, sodass der Zinseszinseffekt voll durchläuft.
Beide Varianten können denselben Index abbilden. Sie unterscheiden sich nur bei der Ertragsverwendung.
Hier findest du einige ETF Beispiele 🔗MSCI World vs FTSE All World – welcher Welt ETF ist besser für dich?
Ausschüttend oder thesaurierend?
Langfristig profitieren thesaurierende ETFs stärker vom Zinseszinseffekt. Dafür bietet ein ausschüttender ETF direkten Zugriff auf deine Erträge als passives Einkommen. In einem ausschüttenden ETF musst du die Erträge selbst wieder anlegen, wenn du vom Zinseszinseffekt profitieren willst.
| Merkmal | Thesaurierender ETF | Ausschüttender ETF |
|---|---|---|
| Ertragsverwendung | automatische Reinvestition | regelmäßige Auszahlung |
| Zinseszinseffekt | voll wirksam | nur bei Wiederanlage |
| Liquidität | keine laufenden Erträge | laufender Cashflow |
| Besteuerung | Vorabpauschale jährlich | Abgeltungssteuer auf Dividenden |
| Teilfreistellung | 30 % (bei Aktien ETFs) | 30 % (bei Aktien ETFs) |
| Geeignet für | langfristigen Vermögensaufbau | regelmäßiges Einkommen |
Schnellcheck für dich:
- Wenn du regelmäßige Erträge brauchst, dann ausschüttender ETF.
- Wenn du auf langfristiges Wachstum mit Zinseszinseffekt setzt, dann thesaurierender ETF.
- Wenn du flexibel über deine Erträge verfügen willst, dann ausschüttender ETF.
- Wenn du möglichst wenig Aufwand bei der Wiederanlage möchtest, dann thesaurierender ETF.
- Wenn du deinen jährlichen Steuerfreibetrag ausnutzen möchtest, dann ausschüttender ETF.

ETF auswählen und Strategie festlegen
- Anlageziel definieren: Möchtest du regelmäßiges Einkommen oder langfristiges Wachstum generieren? Für laufende Erträge ist ein ausschüttender ETF sinnvoll, für den langfristigen Vermögensaufbau ein thesaurierender ETF. Ein ausschüttender ETF eignet sich zum Beispiel, wenn du dir ein regelmäßiges Nebeneinkommen wünschst.
- Zeithorizont und Liquidität: Je länger dein Anlagehorizont, desto mehr profitierst du vom thesaurierenden Modell. Wenn du beispielsweise in einigen Jahren auf eigenes Kapital angewiesen bist, können Ausschüttungen hilfreich sein, da du keine Anteile verkaufen musst.
- Anlagestrategie beachten: Für einen Sparplan ist oft ein thesaurierender ETF ideal, weil alle Erträge automatisch weiter investiert werden. Möchtest du flexibel bleiben und zum Beispiel Auszahlungen erhalten, kann ein ausschüttender ETF besser passen. In einem Sparplan übernimmt der thesaurierende ETF das Reinvestieren deiner Erträge.
- Diversifikation: Du kannst auch beide Varianten kombinieren . Etwa einen Teil thesaurierend (für langfristiges Wachstum) und einen Teil ausschüttend (für zusätzliches Einkommen).
- Umsetzung: Wähle deinen passenden ETF. Führe dann deinen Sparplan (oder deine Einmalanlage) durch und behalte deine Investition im Blick. Ein monatlicher Sparplan hilft dabei, regelmäßig zu investieren.
Steuern, Risiken und Fehler
In der Praxis werden oft Fragen zu den Themen „thesaurierender ETF Steuern“ und „ausschüttender ETF Steuern“ gestellt. Beide führen am Ende zu einem ähnlichen Ergebnis.
Seit 2018 werden beide Varianten weitgehend gleich behandelt. Beim Thesaurierer fällt jährlich die Vorabpauschale an (abhängig von der Wertentwicklung), beim Ausschütter die Abgeltungsteuer auf Dividenden. Beim Verkauf wird der verbleibende Gewinn besteuert. Bei Aktien ETFs gilt die 30 % Teilfreistellung. Mit einem Freistellungsauftrag nutzt du den Sparerpauschbetrag. Hier erfährst du mehr zum Thema 🔗Teilfreistellung bei ETFs, wieviel ist steuerfrei
Typische Fehler bei der Auswahl:
- Vorabpauschale übersehen: Die jährlich fällige Vorabpauschale (Steuervorauszahlung) bei thesaurierenden ETFs wird ignoriert.
- Freistellungsauftrag nicht eingerichtet: Ohne Freistellungsauftrag zahlst du sofort Steuern auf Ausschüttungen oder die Vorabpauschale.
- Teilfreistellung ignoriert: Bei Aktien ETFs sind 30 % der Erträge steuerfrei.
- Verkaufssteuern unterschätzt: Beim Verkauf deines ETFs wird der Restgewinn versteuert.
Mehr zu Risiken und Nebenwirkungen bei ETFs findest du in dem Artikel 🔗ETF Nachteile und Risiken: Stolpersteine vermeiden
Faustregel: Ohne Freistellungsauftrag fällt auf die Erträge Abgeltungsteuer an, der Restgewinn wird beim Verkauf versteuert.
Nächste Schritte / Fazit
Eine pauschale Antwort darauf, was besser ist, gibt es nicht. Der Hauptunterschied zwischen thesaurierend und ausschüttend liegt im Zeitpunkt des Ertragszuflusses und der Besteuerung. Steuerlich ergibt sich über die gesamte Anlagedauer kein signifikanter Unterschied, da die Vorabpauschale beim Verkauf des Thesaurierers auf die spätere Steuerlast angerechnet wird (keine Doppelbesteuerung).
Die Entscheidung hängt von zwei Punkten ab:
Steuerfreibetrag: Um den jährlichen Freibetrag von 1.000 Euro (ledig) aktiv und jährlich zu nutzen, ist ein Ausschütter die praktischere Wahl. Beim Thesaurierer wird der Freibetrag zwar auch genutzt (für die Vorabpauschale), die Ausschüttung bietet jedoch eine garantierte und planbare steuerfreie Einnahme.
Ziel (Wachstum vs. Cashflow): Benötigst du laufendes Einkommen ➡️ Ausschütter, oder möchtest du Kapital maximal im Fonds arbeiten lassen ➡️ Thesaurierer
Viele Anleger nutzen ihre Ausschüttungen als zusätzliches Budget für Alltag und Reisen. Damit von diesen Erträgen möglichst viel bei dir ankommt, lohnt sich auch ein Blick auf deine Zahlungsprodukte: In meinem Kreditkartenvergleich für Reisen & Alltag findest du passende Karten mit 0 € Jahresgebühr und fairen Gebühren.
Fazit: Lege deine persönlichen Ziele fest und investiere konsequent. Wichtiger als die Frage nach Ausschüttung vs. Thesaurierung ist, dass du überhaupt in ETFs investierst und regelmäßig dranbleibst.
Starte lieber heute als morgen. Langfristiges Investieren zählt mehr als das Grübeln über die Ausschüttungsart.
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